Pressemitteilung der Kulturbehörde: „Hamburger Denkmäler werden besser geschützt“

Pressestelle der Kulturbehörde, 30.10.2012

Neues Gesetz „Ipsa Lege“ vereinheitlicht Denkmalschutz
Hamburger Denkmäler werden besser geschützt

Hamburg erhält ein neues Denkmalgesetz, das sogenannte Ipsa-Lege-System. Es schützt ab sofort unbürokratisch „durch das Gesetz selbst“ alle Gebäude und Ensembles, die entsprechend den gesetzlichen Kriterien als Denkmäler erkannt sind. Die Denkmäler werden durch Ipsa Lege in einer nachrichtlichen Denkmalliste geführt und nicht wie bisher in geschützte und „erkannte“ unterteilt. Das Gesetz bringt keine wesentlichen Veränderungen im Umgang mit dem einzelnen Denkmal, schafft aber eine größere Rechtssicherheit für alle Beteiligten und stellt alle Denkmaleigentümer gleich z. B. hinsichtlich ihrer steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten. Die Vorteile dieses Schutzsystems haben die meisten Bundesländer erkannt. Es ist daher bereits in zwölf Bundesländern Standard.

Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler: „Ziel von Ipsa Lege ist es, für Hamburg als wachsende Metropole ein modernes Denkmalschutzrecht zu schaffen, das den schützenswerten Bestand an historischen Gebäuden und Ensembles sichert und zugleich klare und transparente Regelungen für private Eigentümer und für Investoren schafft. Für die historische Baukultur dieser Stadt ist die Gesetzesnovelle ein großer Schritt nach vorne.“

Es gibt aktuell ca. 4.900 „erkannte Denkmäler“ in Hamburg. Dies sind sowohl ganze Ensembles als auch Einzelobjekte, insgesamt ca. 18.000 Hausnummern. Von diesen 4.900 „erkannten Denkmälern“ sind bis heute 1.900 Objekte in die Denkmalliste eingetragen und dadurch geschützt. Durch Ipsa Lege werden auch „alle erkannten Denkmäler“ automatisch unter Schutz gestellt.

Die Denkmalfeststellung erfolgt unabhängig von privaten bzw. wirtschaftlichen oder anderen öffentlichen Belangen durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes. Für die Eigentümer entstehen keine Nachteile, denn auch als Eigentümer eines nur „erkannten“ Denkmals waren geplante Baumaßnahmen anzeigepflichtig. Die Interessen der Eigentümer bzw. Verfügungsberechtigten oder andere öffentliche Belange werden im Rahmen von Genehmigungs- und Bebauungsplanverfahren in die Entscheidungen einbezogen und abgewogen.

Stefan Nowicki,

Pressestelle der Kulturbehörde

Hier geht es zur Pressemitteilung auf hamburg.de/kulturbehoerde.

Bewohner der „Insel“ wenden sich an ihre Vertreter – offener Brief vom 23.10.12

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung.

Offener Brief an die gewählten Vertreter der Gartenstadt Hamburg

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,
wir sind besorgte Bewohner des Siedlungsabschnittes Meiendorfer Stieg / Berner Heerweg, welchen wir nachfolgend als Insel bezeichnen.
Wir wenden uns an Sie als unsere gewählten Vertreter. Wir trafen uns zwanglos am 21.10. im Garten. Zirka die Hälfte der Bewohner der Insel war anwesend.
Die Initiative für den Erhalt der Siedlung hat sich vorgestellt. Frau Dingkuhn ist ja auch Vertreterin aus dem Bezirk 1 und ist bis jetzt die einzige Vertreterin aus Ihrem Kreis, welche sich eindeutig für uns wahrnehmbar positioniert hat.

Fakt ist, dass die Haushälfte Berner Heerweg 476 seit ca. 3,5 Jahren leer steht. Das Haus Meiendorfer Stieg 19 steht seit ca. 1,5 Jahren leer. Das sind zusammen 5 Jahre, bei einer Miete von ca. 300,– Euro ist das ein Einnahmeverlust von18.000,– Euro: Dazu kommen diverse Leerstände, z.B. Meiendorfer Stieg Nr. 9 seit ca. 4 Monaten, Berner Heerweg Nr. 488 seit ca. 8 Monaten. Das summiert sich auch schon auf 12 Monate, Mieteinnahmeverlust weitere  3.600,– Euro.
Häuser auf der Insel werden, wenn überhaupt, sehr schleppend vergeben. Berner Heerweg 486 ist jetzt von einem Enkel über das Erbe vergeben worden. Die Vergabe ist nicht reibungslos über die Bühne gegangen. Bis jetzt war es ja immer so, dass wenn man ein Gartenstadthaus bekommen hat, man sich in Sicherheit für den Rest seines Lebens fühlen konnte. Dieses Selbstverständnis ist auf der Insel leider auf der Strecke geblieben. Meiendorfer Stieg 17, 18 und 19 ist ein Haus mit drei Einheiten. Nr. 19 ist, wie gesagt, seit 1,5 Jahren nicht bewohnt. Nr. 18 wird von einer älteren Dame bewohnt, welche seit ca. 12 Monaten im Altenheim lebt. Die Miete wird allerdings bezahlt, deshalb gilt das Haus als vermietet. Die Bewohner Nr. 17 sind stark verunsichert, wie es nun weitergehen soll. Vom Gefühl her leben sie in einem Geisterhaus. Auf Nachfrage bei der Gartenstadt heißt es, dass sich nichts ändert und dass man sich nicht sorgen soll. Wenn dem so ist, hätten wir diese Aussage gern schriftlich und wir fragen uns, warum denn Nr. 19 seit 1,5 Jahren leer steht. Es ist ja wohl jedem klar, dass ein leerstehendes Haus schneller verfällt. Es versteht sich von selber, dass dann die daran hängenden Einheiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf Nachfrage bei der Gartenstadt heißt es, dass Nr. 19 nicht im Angebot ist.  Bitte stellen Sie sich vor, Sie wohnen Meiendorfer Stieg Nr. 17. Wäre das nicht schrecklich?

Für uns (Birgit Büttner – Oberdick / Klaus Oberdick) war immer klar, dass wir unser Haus an unsere Kinder übergeben. Unsere Kinder haben uns mitgeteilt, dass sie sich es dreimal überlegen das Haus zu übernehmen, wenn nicht klar ist, wie lange man dort noch wohnen kann. Manchmal kommt es uns so vor, dass es ein stillschweigendes Einverständnis gibt, die Insel aufzugeben, dann könnte ja der Rest der Siedlung die nächsten 25 Jahre weiter den Dornröschenschlaf schlafen. Fakt ist, dass wir einen Leerstand von ca. 10 % haben. Wann spricht man mit uns? Bei 20 %, oder fällt die Hemmschwelle doch erst bei 30 %?
Was fehlt ist eine eindeutige Positionierung des Vorstandes bzgl. der Insel. Man kann ja über alles reden. Aber einfach Häuser leer stehen zu lassen ist sicherlich der falsche Weg.
In einem längeren Gespräch hat Herr Witt mir (Klaus Oberdick) mitgeteilt, dass es vom vorhandenen Geld her kein Problem ist, Berner Herweg 476 auf einen vermietbaren Stand zu bringen. Man will dieses aber nicht, weil das dem kaufmännischem Unsinn gleichkommt. Allerdings fehlen seit 3,5 Jahren klare Ansagen bzgl. der Zukunft und man laviert sich so über die die Zeit. Wir wollen in keiner Geistersiedlung leben.

Liebe Vertreterin, lieber Vertreter,
wir fordern Sie auf sich in dieser Angelegenheit einzubringen.
Wir fordern Sie auf, auf den Vorstand und den Aufsichtsrat einzuwirken, sich in dieser Angelegenheit zu positionieren und überzeugende Konzepte für die Zukunft vorzustellen.
Wir benötigen klare Aussagen und Planungssicherheit für die Zukunft.
Sollten Sie keine Lust oder Interesse haben sich in dieser Angelegenheit einzubringen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie Ihr Mandat nicht besser zurückgeben.
Rückmeldungen werden von den beiden Unterzeichnern gern entgegengenommen und gesammelt. Wir sind für offene Gespräche und möchten als betroffene Insel bei Ihrer nächsten Probeabstimmung gern mit einer Delegation dabei sein.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Oberdick                                                     Alexander Mursch

 

Ende des Briefes.

Leerstandsmelder.de zeigt ungenutzten Wohnraum

Die Hamburger Politik forciert gegenwärtig massiv den Wohnungsbau. Historische Siedlungen und schützenswerte Wohnensembles sind in einigen Fällen von Verdichtungsplänen betroffen. Anwohner-Initiativen wehren sich vehement gegen eine unreflektierte Bebauung und Verdichtung ihrer Stadtteile. Weniger bekannt ist, dass in Hamburg und vielen anderen Großstädten der Bundesrepublik eine große Zahl Wohnungen und Büros mittel- und langfristig leer stehen. Die Website www.leerstandsmelder.de hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf dieses ungenutzte Potential über bundesweite Online-Karten aufmerksam zu machen. Jeder Anwohner oder Beobachter eines Leerstandes kann, nach Registrierung auf der Website, einen Eintrag vornehmen.
Hier geht es zur Hamburg-Karte auf leerstandsmelder.de.

Online-Umfrage: Gartenstadt-Siedlungshäuser zählen zu den beliebtesten Häusern in Hamburg

„Nexthamburg“ und die Hamburger Stadtwerkstatt haben eine Online-Umfrage organisiert und fragten nach beliebten und ungeliebten Gebäuden in der Stadt. Die Berner Gartenstadtsiedlung bekam reichlich Zuspruch: 384 Stimmen entfielen auf die Berner Siedlung, das bedeutet Platz 7 in der Gesamtwertung!

Das Hamburger Abendblatt berichtete am 20.9.2012:
„Umfrage: Hamburger verliebt in Backsteinbauten“
(Link zum Artikel – Abruf evtl. kostenpflichtig)

In der Abstimmung ging es nicht nur um reine Sympathiebekundungen, sondern vor allem auch um (Stadt-) Politik und das Engagement von Initiativen für den Erhalt von schützenswerten Gebäuden.
Das Abendblatt schreibt dazu:
„Eigentlich sei die Frage nach den Lieblingsgebäuden zwar eine typische „Sonntagsfrage“. Doch in Hamburg zeige sich, dass sie immer politisch überlagert sei. Aber möglicherweise, so Petrin, sei dieses starke Engagement vieler Initiativen in Hamburg auch eine Folge davon, dass in der Stadt zu oft mit schnellem Abriss Fakten geschaffen worden seien – während die Diskussion über den Erhalt noch weiterlief.“
Und weiter zum Ende des Artikels heißt es:
„Erkannte Denkmäler, die noch nicht auf der Denkmalliste eingetragen sind, genießen bislang wenig Schutz“, kritisierte die kulturpolitische Sprecherin Christa Goetsch. Hintergrund der Kritik waren Abrisspläne für Teile der Berner Gartenstadtsiedlung. Bei der Umfrage nach Lieblingsbauten in Hamburg kam just diese Siedlung beim Ranking der beliebtesten Bauwerke dann auch auf einen ganz vorderen Platz (7.).“

Übrigens: Die Abstimmung ist verlängert worden.
Ihr könnt hier weiterhin eure Stimmen abgeben.